Erklärung der JXK zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

 

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Es ist nun über 50 Jahre her, dass die revolutionären Mirabal-Schwestern in der Dominikanischen Republik durch die Diktatur unter Rafael Trujillo ermordet und verschleppt wurden. Ihr Ermordung ist der Anlass dafür, dass wir seit 1981 jährlich gegen patriarchale und sexualisierte Gewalt auf die Straßen gehen.

Auch heute ist es unsere Pflicht, gegen alle Ungerechtigkeiten, gegen Übergriffe, gegen verbale und körperliche Gewalt, gegen sexualisierte Gewalt und alle Angriffe auf unsere Selbstbestimmung unsere Stimme zu erheben. Dieses Jahr war gezeichnet von unzähligen schlechten Nachrichten - seien es die Übergriffe, seien es Abtreibungsverbote, sei es Trump als US-Präsident oder die Legalisierung von Vergewaltigungen durch die faschistische AKP-Regierung.

Die türkische Regierung hat sich dieses Jahr mal wieder selbst übertroffen. Noch vor einigen Jahren hatte die Aussage von Bülent Arinc für Empörung gesorgt, dass Frauen in der Öffentlichkeit nicht lachen sollen, weil das die öffentliche Sicherheit gefährde. Und heute ist die AKP an dem Punkt, Vergewaltiger freizusprechen, wenn sie das "Opfer" heiraten. Die ganze Welt zeigt sich entsetzt, dabei macht die AKP nur die Praxis öffentlich, der sie sich schon die ganze Zeit bedient hat. An Schulen kommt es immer wieder zu sexuellen Übergriffen von Lehrern gegen junge Frauen und Mädchen. Noch kürzlich hat eine ehemalige Lehrerin berichtet, dass ein Schuldirektor seine Schülerinnen über 2 Jahrzehnte lang ständig sexuell missbraucht hat und damit davongekommen ist. Der neue Gesetzesentwurf der AKP ist nur ein weiterer Schlag von vielen. Aber spätestens jetzt sollte jeder Mensch, der auch nur einen Hauch von Gewissen besitzt, einsehen, dass die AKP nichts weiter ist als das hässlichste Gesicht des Patriarchats.
Ja, dieses Jahr war gezeichnet von unzähligen schlechten Nachrichten, aber auch von einem umso größer werdenden Widerstand! Nicht umsonst werden gerade massiv Abgeordnete der HDP kriminalisiert, der einzigen Partei die für die Befreiung von Frauen und LGBTIs einsteht und auf jeder Ebene eine Geschlechterquote vorsieht. Auch die AKP weiß, wie stark die Organisierung von Frauen in Kurdistan vorangeschritten ist. In Rojava (Nordsyrien bzw. Westkurdistan) wird gerade unter der Führung von Frauen ein solidarisches Zusammenleben jenseits von Staat und Gewalt ermöglicht. Es ist der größte Alptraum Erdogans, dass der Geist der Rojava-Revolution die türkische Grenze überschreitet. Aber die Vision einer befreiten, ökologischen und basisdemokratischen Gesellschaft ist schon lange da und lässt sich weder aufhalten noch verbieten.

Als junge Frauen in Europa haben wir im April dieses Jahr die Kampagne "Xwebûn - Xwe Parastin / Selbstsein und Selbstverteidigung" ins Leben gerufen. Wir sehen in der momentanen Situation weltweit keinen anderen Ausweg als Selbstverteidigung, egal in welcher Form. Die kurdische Bewegung ist für uns das beste Beispiel dafür, dass Selbstverteidigung eine legitime Methode und Lösung ist. Sehr lange hat die kurdische Bewegung versucht, mit dem türkischen Staat auf diplomatischer Ebene zu verhandeln. Es wurden Lösungsprozesse eingeleitet, die zwischen der PKK und dem türkischen Staat vermitteln sollten. Es war immer der türkische Staat, der diesen Prozess abgebrochen und sabotiert hat. Doch diese Zeit ist vorbei. Wie eine Rose, die sich durch ihre Dornen verteidigt, sobald man ihr zu nah kommt, wollen wir uns auch als kurdische Jugendliche und Frauen selbst verteidigen, denn der Kapitalismus und Rassismus dringt in unsere Selbstbestimmung ein und das lassen wir nicht länger zu! Mit dem Revolutionsgeist von Kämpferinnen wie Vîyan Qamishlo, Leyla, Zîlan und Tîjda wollen wir das 21. Jahrhundert zu unserem Jahrhundert machen!

Deshalb findet nächste Woche Samstag (03.12.2016) in Frankfurt am Main eine europaweite Demo statt. Als kurdische Frauen rufen wir auch euch zur Teilnahme auf! Es ist an der Zeit, mit all unseren Unterschieden und Kämpfen einen gemeinsamen Widerstand zu organisieren!

Wir sagen Xwebûn - Xwe Parastin und Jin Jîyan Azadî!

Weg mit dem Verbot der PKK und Freiheit für Abdullah Öcalan! 

22.11.2016, JXK - Studierende Frauen aus Kurdistan

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